Eine Frage: Warum eigentlich DSLR?

Die Nachteile einer DSLR überwiegen zahlenmäßig die Vorteile. Meine Liste der Nachteile einer DSLR ist spontan entstanden und ließe sich bestimmt um viele Punkte erweitern.

  • zu groß
  • zu schwer
  • zu unhandlich
  • wegen dem offenem Gehäuse zu schwer sauber zu halten
  • zu auffällig
  • zu empfindlich an den Bauteilen und dem Zubehör
  • zu teuer

Marketingstrategie der Fotoindustrie

Die meisten Fotofreunde könnten mit weitaus weniger Kosten vergleichbare Resultate erzielen. Warum wollen dann alle eine DSLR? Warum dieser Run auf eine Technik des letzten Jahrhunderts? Ein gelungener Marketingerfolg der Fotoindustrie. Die Fotoindustrie will es. Dank der ungebremsten technischen Entwicklung sind entgegen den “freiwilligen” Selbstverpflichtungen der Hersteller Produktlebenszyklen weit unter drei Jahren sinnvoll und erfolgreich zu vermarkten. Die Fotoindustrie als Kompetenzgeber diktiert, wann ein Produkt veraltet ist und schert sich dabei einen Dreck um Energiebilanz und Umwelt. Recyclinggesetze suggerieren dem Verbraucher, dass er sich richtig verhält, wenn er konsumiert, alte Geräte brav zum Recycling bringt und seinen Beitrag an Greenpeace und WWF entrichtet. Adrian trifft es in seinem Artikel Braucht die Fototechnik das Kleinbildformat? wieder mal ganz gut.

Erst wenn die vermögendere Käuferschicht der „alten Herren“ die unerfüllten Wünsche ihrer Jugendzeit nach Spiegelreflexen, als eine der konsumstärksten Käufergruppen nicht mehr nachfragt, dann wird der Anachronismus der Fototechnik, eben die Spiegelreflextechnik, ausgedient haben.

Body als Camera Obscura

Warum dann trotzdem DSLR? Bestimmte Effekte eines Fotos sind mit kurzen Brennweiten von kleinen Digitalkameras nicht zu erzielen. Gezielte Unschärfe im Foto ist das Ergebnis der Kombination von der Größe der Blendenöffnung mit der Brennweite. Das ist mit kleinen Digitalkameras nicht möglich. Dazu bedarf es einer Technik des 19. Jahrhunderts, des Lochkastens. Man braucht eine Camera Obscura, den Body einer DSLR.

Größe des Sensors

Da der Sensor selbst bei APS-C um ein Vielfaches größer ist als bei kleinen Digitalkameras, bildet er Kontraste besser ab. Die Pixel überstrahlen sich nicht so leicht, weil sie auf dem Sensor mehr Platz haben. Außerdem bedingt der größere Sensor ein geringeres Rauschen bei schlechteren Lichtverhältnissen. Beides sind unabdingbare Voraussetzungen, um den Möglichkeiten von Silberbromid nahe zu kommen. Ohne diese Eigenschaften sind bestimmte Ergebnisse nicht möglich und kanalisieren die Kreativität. In ihrem Artikel Macht DSLR denn Sinn? schreibt Sarah eben über diesen Effekt.

Die Fotos wirken immer anders als meine. Sie haben irgendwie eine andere Schärfe, eine andere Farbe…sie sehen einfach anders aus.

RAW-Format

Das RAW-Format ist für die Nachbearbeitung gut geeignet. Meines Wissens bieten kleine Digitalkameras kein RAW-Format. Allerdings ist auch das RAW-Format mit Vorsicht zu genießen. Oft ist das mit RAW-Entwicklern hergestellte Foto schlechter als die JPG-Version aus der Kamera. Das ist meine eigene Erfahrung und auch Markus hat schon darüber in seinem Artikel Schlechtere Bildqualität durch RAW! geschrieben.

Ich tendiere mehr und mehr zu JPG, da ich davon schon sehr große Prints im Format von 1 x 1,5 Meter gesehen habe und diese als absolut genügend und ausreichend empfand. Außerdem habe ich keine Lust, dem herrschenden Speicherdiktat zu erliegen. Das kostet wieder nur Geld und die Fotos verschwinden für immer auf irgendeinem Speichermedium. Mein bester Freund ist immer noch die Löschtaste.

Und nun?

Was bleibt? DSLR oder keine DSLR? Es ist und bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks, der Vorlieben, der Ansprüche und der finanziellen Möglichkeiten. Wer auf bestimmte Merkmale eines Fotos Wert legt, kommt um das Übel einer DSLR mit all ihren Vorteilen und Nachteilen nicht herum.

Ach ja: Warum tummeln sich auf dem Schlachtfeld der DSLR-Liebhaber so viele Männer? Eine DSLR eignet sich prima als Schwanzersatz!

 

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12 Kommentare zu “Eine Frage: Warum eigentlich DSLR?”

  1. Adrian Ahlhaus
    26. Juli 2008

    JPEG wird von den meisten Kameras immer besser bearbeitet. Es stellt sich die Frage, wieso grundsätzlich alle Bilder über den Weg eines RAW-Formates bearbeitet werden müssen, wenn auf den Monitoren für unter 700 Euro wohl ohne Ausnahme “nur” sRBG wiedergegeben werden kann und ein Drucker auch nicht mehr wiedergibt? Bei schlechten Einstellungen von Monitor und Druckertreiber wird sogar deutlich weniger Farbraum wiedergegeben. Die möglichen Fehlern von unfachlichen Konvertierungen quer durch die Farbräume schnell passiert. Wer kennt den Unterschied von “perzeptiv” zu “relativ farbmetrisch”, wohl nicht so viele -

  2. Uwe Mayer
    26. Juli 2008

    Vorab zur Ökobilanz: es sind die Konsumenten, also Du und ich, die sich einen Kehricht darum kümmern. Angebot und Nachfrage. Die Schuld der Industrie in die Schuhe zu schieben ist wirklich sehr bequem - und sehr kurz gedacht. Wie mündig sind wir als Konsumenten eigentlich wirklich?

    Die Fotografie verändert sich, wie sie es schon immer tat. In zehn Jahren wird der schwingende Spiegel eine Seltenheit sein, aber wahrscheinlich noch immer irgendwie präsent. Messucherkameras und SLRs werden dank Digitaltechnik verschmolzen sein. Zu Gunsten des elektronischen Suchers / Displays, aber mit Wechseloptik.
    Warum das Getöse um Entscheidungen die aus dem Bauch heraus kommen? Ich arbeite gerne auch mal mit SLRs und ich muss es nicht mal faktenbasiert-rational erklären. Dem Argument der “Schwanzverlängerung” können sich ernsthaft (aber mit einem Schmunzeln) wohl nur die Freunde von Holgas und Lomos entziehen.

    Oder soll ein Blogpost zu einem so beliebten Thema wie “Warum DSLR?”, “Weswegen Film tot ist und warum das auch gut so ist” oder “Heutige Zooms sind besser als Festbrennweiten von gestern” einfach nur die Besucherzahlen beim Geek-Publikums treiben?
    Dem Autor sei’s gegönnt, aber mich lenkt die Aufregung um solche Themen vom wichtigen ab: dem Fotografieren.

  3. eldersign
    27. Juli 2008

    Eigentlich wäre ich hier gerne in eine konstruktive Diskussion eingestiegen, denn über einige Punkte aus dem Artikel gäbe es schon noch ein paar Sätze zu sagen.

    Der letzte Abschnitt lässt aber vermuten, dass genau dies nicht gewünscht ist. Sonst müssten ja nicht solche Totschlagargumente aus der untersten Schublade gezogen werden.

  4. Guido
    27. Juli 2008

    Sowohl der Artikel als auch der erste Kommentar offenbaren einfach teilweises Unwissen und dementsprechend ist die Qualität der Äußerungen. Ich will keinen Aufsatz schreiben, deshalb nur einige Punkte.

    Groß und schwer ja, aber das Argument unhandlich ist im Wortsinne einfach völlig falsch. Während Kompaktkameras auf Design und Miniatur getrimmt sind, ist eine DSLR auf Handlichkeit - neudeutsch Ergonomie - getrimmt. Allein durch das Gewicht hält man sie auch wesentlich ruhiger. Empfindlich kann ich auch nicht nachvollziehen. Zumindest die etwas besseren DSLRs und Objektive sind gegen Staub, Wasser, Dreck weitestgehend abgedichtet.

    Auch viele Kompaktdigitalkameras bieten heute RAW. Das ist kein DSLR-only-Feature mehr. Wer ernsthaft JPEG gegenüber RAW bevorzugt, sollte in der Tat eine kompakte Digitalkamera kaufen und damit knipsen. Mit JPEG nimmt man sich fast alle Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Ein normales JPEG hat 8 bit Farbtiefe und kann z.B. 256 Blautöne abstufen. Die RAW-Dateien der meisten DSLRs haben heute 14 bit, d.h. die können z.B. 16.384 Blautöne abstufen. Da wo im JPEG nur noch eine einheitsblaue Matsch-Blau-Fläche zu sehen ist, hat die RAW-Datei bis zu 64 verschiedene Blautöne und somit viel mehr Bilddetails. In der Summe kann die 14bit-RAW-Datei bis zu 262.144 mal soviele Farbinformationen/Bilddetails enthalten, wie das JPEG. Richtig ist, das viele Monitore nicht mehr als 16,78 Millionen Farben (256^3) darstellen können. Die 14 bit nützen am unbearbeiteten RAW also relativ wenig. Aber das, was die RAW-Datei an zusätzlichen Bildinformationen enthält, kann man bei Bedarf mit wenig Nachbearbeitung wieder sichtbar machen. Beim JPEG geht das nicht. Die Bildinformationen sind unwiderruflich verloren. Wer in Zeiten, wo eine Sandisk Extrem III 8GB für unter 40 EUR zu haben ist, noch das Speicherplatzargument rauskramt, will offenbar nicht ernsthaft argumentieren.

    Zustimmen kann ich ausgerechnet dem letzten Absatz. Alle Profis haben eine DSLR und so meinen viele Laie, dass sie aucht sowas als Statussymbol brauchen. Oder die Leute sehen irgendwo tolle Bilder und meinen fälschlicherweise, dass man tolle Fotos nur mit einer DSLR machen kann. Am augenscheinlichsten wird das Mißverständnis bei den Leuten, die eine Einsteiger-DSLR und dazu ein einziges Objektiv nämlich eine 18-200 oder 18-2500 Super-Zoom kaufen. Die kaufen ein Wechselobjektivsystem um nie das Objektiv zu wechseln. Damit verschenken sie den großen Vorteil, für verschiedene Anforderungen auch verschiedene, darauf spezialisierte Objektive nutzen zu können. Allel, die Fotografie nicht mindestens als intensives Hobby sehen, kann ich eine Bridgekamera nur wärmstens empfehlen. Das ist der für viele optimale Kompromiss zwischen DSLR und Kompaktkamera.

  5. Jörg
    28. Juli 2008

    Vielen Dank für die tollen Kommentare. Ich habe einiges dazu gelernt. Aber trotzdem finde ich eine DSLR nicht ergonomisch. Kleine Videokameras liegen gut in der Hand und sind ergonomisch. Meine Wunschkamera hätte den Auslöser am Daumen und ließe die wichtigsten Einstellungen mit den vier Fingern vornehmen während die Hand in einer Handschlaufe steckt.

  6. Uwe Mayer
    28. Juli 2008

    Ergonomie hängt immer auch vom Anwendungsfall und Individuum ab. Beim Fotografieren eines dreitägigen Events bevorzuge ich ein helles, jederzeit gut sichtbares, optisches Sucherbild (den Schatten trägt mein Schädel bei), Griffigkeit horizontal wie vertikal, Einstellungen schnell und übersichtlich zu erfassen. Da bevorzuge ich die (D)SLR.

    Bei einer Kamera für ein Zeitrafferfilmchen (hier bevorzuge ich Point-n-Shoot) oder für Makroaufnahmen vom Stativ (DSLR oder Bridge, am besten tethered) sehen meine Wünsche an die Ergonomie u.U. völlig anders aus.
    Nicht umsonst hat sich da eine bunte Vielfalt entwickelt.

  7. Ines
    7. August 2008

    Wenn ich solch eine Frage lese, dann denke ich automatisch auch immer an: Warum eigentlich NICHT ASLR? Dann liegt die Antwort eigentlich schon auf der Hand. Ich bin nämlich nach wie vor Besitzer einer ASLR und bin es unendlich leid, nur 36 Versuche pro Film zu haben, dessen Entwicklung (vergleichsweise) teuer ist und wenn dann noch nicht einmal ein gescheites Foto dabei rauskam, ärgere ich mich immer tierisch.

    Wenn die Frage jedoch schlichtweg lautet: SLR vs. Kompaktkamera, dann muss ich sagen, dass ich grundsätzlich auch eine kompakte nutzen wollen würde, da ich die SLR nicht überall mit hin tragen würde (zB zur Arbeit).

    Grundsätzlich macht eine SLR (aufgrund ihrer zahlreichen Einstellmöglichkeiten) bessere Bilder als die kompakte, und das ist was zählt.

  8. Subnetmask - das Blog » BlogArchiv » Links [11.08.2008]
    11. August 2008

    [...] Photo of no consequences geht man der Frage “Warum eigentlich DSLR?” [...]

  9. Wochenrückblick « lens-flare.de Fotoblog
    1. Januar 2009

    [...] Eine Frage: Warum eigentlich DSLR? von PHOTOS OF NO CONSEQUENCES Jörg stellt die klassichen DSLRs in Frage. Kann man ruhig mal drüber nachdenken. Es wurden auch schon ein paar interessante Kommentare abgegeben. [...]

  10. oliver schulz
    16. Januar 2009

    hi!

    viel input. nein ich benutze meine dslr nicht als schwanzersatz, obwohl ich sogar einen bg habe. *gg*

    welche kamera bietet mir mit der richtigen linse eine blende von 1,8 bis hoch zu was weis ich nicht (max noch nie getestet)

    ich habe seit 4 jahren 2 bodys genutzt und musste noch nie reinigen (ok viel studio und wenig wechseln) aber es gibt in diversen foren tollen anleitungen wie man das schmerzfrei erledigt.

    jpg ist IMMER verlustbehaftet, wenn mann mit jpg fotografieren will, dann ist das ok, hat nur m. E. mit der aktuellen dslr fotografie nichts zu tun. dazu gehört neben der kamera auch ein entspechender monitor mit einer kalibrierung um die raws korrekt entwickeln zu können, wie damals in der dunkelkammer, besseres material, bessere bilder, das ist beim digital workflow genauso.

    bei der ökobilanz konnte ich mir das lachen nicht verkneifen, was für einen kühlschrank hast du? was für ein auto fährst du? was für ein herd hast du? bei den energiemengen kann man dann von einer ökobilanz reden, wenn du kein veganer bist ist schon ende (kuh-> methan)

    ein guter freund von mir fotografiert aus kostengründen analog und ist neidisch auf meine ausrüstung und ich bin neidisch auf seinen blick und seine ideen, der austausch ist fantastisch, ich lerne immer dazu und das geniesse ich. warum nicht einfach mehr miteinander?

    fregt sich und grüßt
    der ollei

  11. Jörg
    16. Januar 2009

    Ökobilanz meint Life Cycle Assessment. Alle Faktoren im Produktlebenszyklus werden in die Berechnung mit einbezogen. Also nicht nur der Strom- oder Benzinverbrauch. Nach dieser Lesart haben elektronische Produkte eine sehr schlechte Ökobilanz, da hoher Rohstoffverbrauch, unglaublich kurze Produktlebenszyklen und kaum Recycling. Genauer gesagt, Computerschrott wird nach Afrika verschifft. Kühlschränke werden z.B. recycled und nur alle 10 Jahre angeschafft, haben einen langen Produktlebenszyklus.

    Kurze Produktlebenszyklen führen zum so genannten Leap Frogging. Das wiederum schädigt die produzierende Industrie, da sie die Investitionskosten nicht mehr amortisieren kann.

    Ich bin neidisch auf dich, dass du deine Kamera so wenig reinigen musst. Ich wohne mitten in Berlin und muss sehr oft den Spiegel in der Kamera reinigen, da sich hartnäckige Flecken bilden, die den Autofokus behindern. Nein, in meiner Wohnung wird nicht geraucht…

    Ich fahre übrigens BVG und S-Bahn und benutze auf langen Strecken die Deutsche Bahn oder die Mitfahrzentrale.

  12. browserfruits : 40 Foto News & Links, die Du gesehen haben solltest | KWERFELDEIN | Digitale Fotografie
    27. April 2010

    [...] Warum eigentlich DSLR ? Diese Frage stellt Jörg Wendler und beleuchtet sich von untererschiedlichsten Standpunkten wie “Grösse des Sensors”, “Raw-Format” und anderen. [...]

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