Digitaler Workflow: Taggen, Verschlagworten und “sprechende” Dateinamen mit Picasa

Taggen und Verschlagworten mit Erinnerungswert

Das erste Kriterium der Sortierung meiner Fotos war zuerst das Datum. Nach einiger Zeit stellte ich fest, das eine monatsgenaue Sortierung völlig ausreichend ist. Wie aber dann einzelne Fotos wiederfinden? Auch wenn ich meine Fotos auf den Tag genau sortieren würde, könnte ich mich bei der Suche nach einem bestimmten Foto wohl kaum an den Tag erinnern, an dem es gemacht wurde. Das Sortieren nach Datum besitzt keinen Erinnerungswert. Was also tun? Eine Hilfe bieten Tags und Schlagwörter, mit denen du deinen “sprechenden” Dateinamen zusammensetzt, wie ich im letzten Artikel der Serie Digitaler Workflowbeschrieben habe. Diese Tags und Schagwörter kannst du auch in die Bildunterschrift von Picasa übernehmen oder beim Tagging und Verschlagworten mit IDImager Lite benutzen.

Diese Tags und Schlagwörter müssen aussagekräftig sein, um einen richtigen Erinnerungswert zu besitzen. Was heißt das? Was ist der “richtige” Erinnerunsgwert? Nach meinen Erfahrungen ist das eine sehr persönliche Einschätzung, die sich vollkommen aus den eigenen Emotionen bei der Betrachtung der eigenen Fotos ergibt. Wozu sollte ich Fotos nach Farben taggen, wenn mir zuerst die Emotionen oder die Tageszeit in dem Foto auffallen? Wazu sollte ich ein Foto nach Emotionen taggen, wenn mir zuerst die technischen Daten wie Weitwinkel meiner Fotos auffallen? Nur ich selber muss meine Fotos in meinem Archiv wiederfinden. Also sollten meine Schlagwörter und Tags persönliche und aussagekräftige Emotionen bei mir auslösen. Und diese Emotionen lösen Erinnerungen an die Schlagwörter meiner Fotos aus, so dass ich sie über das Suchen in den Schlagwörtern wiederfinde. Die Kategorien, nach denen ich tagge und verschlagworte, sollten also persönlich, emotional und aussagekräftig sein. Martin Gommel hat einen schönen Artikel über das Tagging bei Flickr geschrieben. Dort sollen im Unterschied zur persönlichen Verwaltung auf deiner Festplatte auch andere Menschen das Foto finden. Daher ist es dort nützlich, wenn die Tags umfangreicher und zweisprachig sind. Das Prinzip kommt aber sehr gut zum Ausdruck.

Ordnerstruktur, Taggen und “sprechende” Dateinamen in der Praxis

Wie sieht das in der Praxis aus? Bei mir reichen drei übergreifende Kategorien für meine Fotos: Orte, Objekte und Menschen. Zur Kategorie “Orte” gehören die Tags Street, Architektur und Landschaft. Zum Tag Street könnten zum Beispiel die weiteren Tags sauber, dreckig, morgens, abends, Nacht, Personen, bedrückend, einladend und andere gehören. Zur Kategorie Objekte gehören zum Beispiel die Tags Stillleben, Kunstwerk oder Sehenswürdigkeit. Weitere Tags dieser Kategorie, die natürlich auch in jeder anderen Kategorie verwendbar sind, könnten ordentlich, unordentlich, berühmt, teuer, billig, modern, alt, gelb, grün, blau und so weiter ein. Sehr schön ist die Kategorie Mensch. Dort gibt es so wirklich emotionale Tags wie Freude, Lachen, Trauer, Tränen, Porträt, Gruppe, Akt, alt, jung oder auch Falten, Krankheit, Alter und ähnliche.

Du erstellst also drei Ordner auf deiner Festplatte: Orte, Objekte und Menschen. In diesen Ordnern kannst du dir Monatsordner anlegen, wenn dir das hilft. Und in den diesen jeweiligen Ordnern setzt du den “sprechenden” Dateinamen aus deinen Schlagwörtern und Tags zusammen.

Berlin Rosenthaler Platz

Der “sprechende” Dateiname für dieses Fotos könnte dann folgendermaßen aussehen:

C:\...\Eigene Dateien\Eigene Bilder\Orte\berlin-rosenthaler-platz-
street-nacht-regen-bsr-[laufende nummer]-[original dateiname].jpg

Beim Organisieren und Verschlagworten deiner Fotos mit Picasa kannst du die Tags einfach in die Zeile für die Bildunterschrift eintragen, nachdem du sie in den betreffenden Ordner (Orte, Objekte, Menschen) kopierst hast. Zusätzlich bietet Picasa auch eine Bildbeschreibung und eine Stichwortfunktion. Auch hier gilt wieder: viele Wege führen nach Rom. Mache es so, wie es dir am besten liegt.

Sichten, Sortieren und Verwalten deiner Fotos mit Picasa

Snapshot Picasa

Die Bildverwaltung Picasa hat mehrere Vorteile. Sie ist kostenlos, kann alle gängigen RAW-Formate lesen, bietet verschiedene Exportfunktionen für Weitergabe, Druck, die Erstellung von Webseiten und rudimentäre Bildbearbeitungsfunktionen. Vielleicht reicht das schon für dich aus. Dazu ist das Programm wirklich leicht und intuitiv ohne große Schwierigkeiten zu bedienen. Wenn du nach der Installation das Häkchen bei “Tools » Optionen » Medien automatisch erkennen (zeigt Symbol im Systemfach an)” entfernst, sucht Picasa in den Ordnern nur nach neuen Dateien, wenn das Programm gestartet wird. Auf diese Weise kannst du den Importdialog von Picasa umgehen. Ich bevorzuge das Kopieren meiner Fotos auf die Festplatte mit FreeCommander. Möchtest du trotzdem mit Picasa importieren, verwendest du einfach den Importieren-Button links oben.

In Picasa kannst du nun auch wie ich es im letzten Artikel der Serie Digitaler Workflow beschrieben habe, deine Fotos beurteilen und Ausschuss erst einmal mit dem Stern-Button markieren. Mit der Return-Taste, Strg + 3 oder einem Mausklick auf das Foto kommst du in die Vollbildansicht. In der Vollbildansicht entscheidest du, ob dir das Foto von der Belichtung und dem Motiv gefällt. Gefällt es dir nicht, drückst du den Stern-Button und markierst es damit. Gefällt es dir, kannst du das Foto mit dem Button 1:1 rechts unten in der Schärfe beurteilen. Ist es unscharf, drückst du den Stern-Button unter dem Foto und markierst es. Anschließend lässt du dir die markierten Fotos über die Suchfunktion anzeigen und kannst die dann nach einer möglichen neuen Prüfung dauerhaft löschen.

 

Vielen Dank für Deinen Besuch! Bist Du Mitglied in einer Fotocomunity? Ich freue mich, wenn du mich bei Ipernity oder bei Flickr zu deinen Kontakten hinzufügst!


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4 Kommentare zu “Digitaler Workflow: Taggen, Verschlagworten und “sprechende” Dateinamen mit Picasa”

  1. zoomyboy
    25. März 2008

    Sehr schön zu sehen das man einen vernünftigen RAW/JPG Workflow mit billigen bzw. Gratis Tools wunderbar umsetzen kann.
    Es müssen nicht immer die tausend/hundert Euro teuren Programme sein, diesbezüglich schießen sicher viele mit Kanonen auf Spatzen!

  2. stefan
    25. März 2008

    Sehr interessanter Artikel, zumal man sonst (fast) nur mit Workflows für LR, PS, Aperture und anderen investitionsintensiven Konsorten konfrontiert wird

  3. Jörg
    28. März 2008

    Vielen Dank! Es freut mich, dass der Artikel gefällt!

  4. Christian
    30. April 2008

    Danke für die Anregungen. Einige Dinge sind eigentlich offensichtlich, aber mann muss sie erst gesagt bekommen um sie zu kapieren ;) Ich finde es auch toll das du nicht auf die teuren Profiprogramme setzt.

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